Online-Coaching starten: die sechs Entscheidungen vor der ersten Kundin
Die Trainingslehre ist selten das Problem. Wer offline gute Arbeit macht, kann auch online gute Arbeit machen. Was Coaches im ersten Jahr aufreibt, sind sechs Entscheidungen, die vor der ersten Kundin fallen müssen und die sich später nur noch mit Reibung korrigieren lassen, weil dann schon Menschen daran hängen.
1. Für wen genau
„Alle, die abnehmen wollen“ ist keine Zielgruppe, sondern der Verzicht auf eine. Der praktische Grund ist nicht Marketing, sondern Aufwand: je enger die Gruppe, desto öfter kannst du dieselbe Antwort geben. Ein Coach, der ausschließlich Menschen im Schichtdienst betreut, schreibt die Erklärung zu Mahlzeiten-Timing einmal und nutzt sie hundertmal. Wer alle betreut, schreibt sie jedes Mal neu.
Ein brauchbarer Test: Kannst du in einem Satz sagen, in welcher Situation jemand ist, wenn er bei dir richtig ist? Nicht welches Ziel, welche Situation. „Wieder anfangen nach zwei Jahren Pause und einem Bandscheibenvorfall“ ist eine Situation. „Muskelaufbau“ ist keine.
2. Wie tief die Betreuung geht
Hier entstehen die meisten Fehlkalkulationen. Zwischen „Plan alle vier Wochen, sonst nichts“ und „täglich erreichbar“ liegt der Faktor zehn im Zeitaufwand, bei einem Preis, der sich oft nur um dreißig Prozent unterscheidet.
Entscheide zuerst über die Antwortzeit, nicht über den Umfang. Eine zugesagte Antwortzeit von 24 Stunden an Werktagen ist etwas völlig anderes als „meldet sich meistens schnell“, letzteres bedeutet in der Praxis, dass du abends um elf aufs Handy schaust. Schreib die Zeit in dein Angebot und halte sie ein. Das ist gleichzeitig dein bestes Verkaufsargument und dein wirksamster Schutz.
Faustformel für die Kalkulation: Schätze die Betreuungszeit pro Kunde und Monat: Planerstellung, Check-in-Auswertung, Nachrichten, Anpassungen und verdopple sie. Die Verdopplung ist kein Sicherheitspuffer, sondern die Zeit, die du nicht einplanst: Kontextwechsel, Rückfragen, Terminverschiebungen.
3. Der Preis
Der häufigste Einstieg ist ein Blick auf die Preise anderer Coaches. Das führt fast immer zu niedrig, weil du die Betreuungstiefe hinter deren Preisen nicht kennst. Der Weg über deinen eigenen Aufwand ist der einzige, der bei der dritten Nachlassbitte noch trägt. Ausführlich in „Was Online-Coaching kosten darf“.
4. Wie abgerechnet wird
Drei Wege sind üblich: Zahlungslink pro Rechnung, SEPA-Lastschrift, oder eine wiederkehrende Zahlung über einen Zahlungsanbieter. Die Entscheidung wirkt technisch, ist aber vor allem eine über deine Zeit, manuelle Rechnungen für zwanzig Kunden sind ein halber Arbeitstag im Monat, jeden Monat.
Zwei Punkte, die in Deutschland oft übersehen werden: Ein Abo, das sich automatisch verlängert, braucht eine Erinnerung vorher in Textform, und Kündigen darf nicht schwerer sein als Abschließen. Wenn deine Kundin per Klick bucht, muss sie auch per Klick kündigen können. Ob und wie deine konkrete Konstruktion sauber ist, klärst du mit deinem Steuerberater, dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.
5. Was schriftlich vereinbart wird
Ein Coaching-Vertrag ist kein Misstrauensvotum, sondern die Antwort auf drei Fragen, die sonst im Konfliktfall gestellt werden: Was genau schuldest du? Wie lange läuft es? Was passiert, wenn jemand aussteigt, krank wird oder pausieren will?
Besonders die Pause ist es wert, vorher geregelt zu werden. Sie kommt sicher, Urlaub, Krankheit, Umzug und ohne Regelung wird sie jedes Mal neu verhandelt. Ebenso: eine klare Grenze, was Coaching ist und was Therapie oder ärztliche Behandlung wäre.
6. Worüber die Betreuung läuft
Die meisten starten mit WhatsApp und einer Tabelle. Das funktioniert und ist als Anfang völlig richtig: der Fehler wäre, drei Monate in Werkzeugauswahl zu investieren, bevor du weißt, ob dir jemand Geld dafür gibt.
Der Punkt, an dem es kippt, ist erstaunlich klar erkennbar. Er ist erreicht, wenn du anfängst, Dinge zu suchen: In welchem Chat stand nochmal das Knieproblem? Welche Version des Plans hat sie? Wann war der letzte Check-in? Ab da kostet dich das Werkzeug mehr Zeit, als ein Wechsel kosten würde.
Ein zweiter, härterer Punkt: Private Nachrichten und Kundendaten im selben Messenger sind datenschutzrechtlich unangenehm, sobald es um Gesundheitsangaben geht und Gewicht, Vorerkrankungen und Fotos sind Gesundheitsangaben.
Was du in der ersten Woche wirklich brauchst
Nicht: Website, Logo, Funnel, Kursplattform. Sondern:
- eine Zielgruppe in einem Satz
- ein Angebot mit zugesagter Antwortzeit
- einen Preis, den du herleiten kannst
- einen Weg, Geld zu empfangen
- eine schriftliche Vereinbarung
Alles andere entsteht aus den ersten fünf Kundinnen. Und die fünf sagen dir präziser, was du bauen musst, als jede Planung vorher.
Dieser Artikel gehört zur Fitness Coach Suite, der Coaching-Plattform, mit der Coaches ihre Athleten unter eigener Marke betreuen.
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