Was Online-Coaching kosten darf und wie du deinen Preis herleitest
Die verbreitetste Methode der Preisfindung im Online-Coaching ist ein Blick auf drei Instagram-Profile und ein Mittelwert daraus. Das Problem daran ist nicht die Frechheit, sondern die fehlende Information: Du siehst deren Preis, aber nicht, wie viele Stunden dahinterstecken. Ein Preis, der bei wöchentlichen Calls funktioniert, ruiniert dich bei täglicher Erreichbarkeit.
Diese Rechnung geht den anderen Weg, vom Aufwand zum Preis. Sie liefert keine Zahl, die du übernehmen kannst, sondern eine, die du verteidigen kannst.
Schritt 1: Was du im Monat verdienen musst
Nicht willst, musst. Addiere: Lebenshaltung, Miete, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Rücklage für Steuern, laufende Kosten deines Betriebs. Das ist dein Deckungsbetrag. Wer bei dieser Zahl schon unsicher ist, hat kein Preisproblem, sondern ein Buchhaltungsproblem und das löst sich nicht durch höhere Preise.
Rechne die Steuerrücklage grob mit einem Drittel des Umsatzes und sprich die konkrete Höhe mit deinem Steuerberater durch. Die Kleinunternehmerregelung kann in den ersten Jahren greifen, ändert aber nichts an der Einkommensteuer.
Schritt 2: Wie viele Stunden du wirklich hast
Der klassische Fehler ist, mit 160 Stunden im Monat zu rechnen. Betreuung ist aber nur ein Teil davon. Es gibt auch: Akquise, Content, Buchhaltung, Weiterbildung, Erstgespräche, die zu nichts führen.
In der Praxis bleiben von einer Vollzeitwoche selten mehr als 20 bis 25 Stunden für bezahlte Betreuung. Rechne mit dem, was du dir zutraust aber rechne ehrlich, denn jede Stunde, die du zu viel ansetzt, senkt deinen Preis proportional.
Schritt 3: Was ein Kunde dich kostet
Jetzt der entscheidende Teil. Schätze pro Kunde und Monat:
- Planerstellung und -anpassung
- Check-ins auswerten und beantworten
- laufende Nachrichten
- Video-Feedback, Calls
- Dokumentation, Rechnung, Verwaltung
Und dann verdopple die Summe. Nicht aus Vorsicht, sondern weil die Schätzung systematisch die Zeit unterschlägt, die zwischen den Aufgaben verloren geht: sich wieder in einen Fall eindenken, Rückfragen, verschobene Termine. Wer das nicht einpreist, arbeitet die Differenz umsonst.
Beispielrechnung mit Platzhaltern. Die Zahlen sind gerundet gewählt, um die Methode zu zeigen, sie sind keine Aussage darüber, was der Markt zahlt.
Deckungsbetrag 4.000 € · verfügbare Betreuungsstunden 80 im Monat · Aufwand pro Kunde geschätzt 2 h, verdoppelt also 4 h.
→ 80 ÷ 4 = 20 Kunden passen hinein.
→ 4.000 € ÷ 20 = 200 € pro Kunde und Monat als Untergrenze.
Schritt 4: Die Untergrenze ist nicht der Preis
Was du gerade errechnet hast, ist der Punkt, an dem du bei voller Auslastung genau null verdienst. Voll ausgelastet bist du aber nicht immer, und Wachstum, Weiterbildung und schlechte Monate sind noch nicht drin.
Zwei Konsequenzen. Erstens: Der Verkaufspreis liegt über der Untergrenze, nicht auf ihr. Zweitens und das ist der wichtigere Punkt: Du kennst jetzt die Zahl, unter der ein Nachlass dich Geld kostet. Genau das fehlt den meisten im Verkaufsgespräch.
Der Hebel, der nicht der Preis ist
In der Rechnung oben steckt eine zweite Stellschraube: die vier Stunden pro Kunde. Wer sie auf drei senkt, betreut mit denselben 80 Stunden 26 statt 20 Kunden, ein Plus von dreißig Prozent, ohne einen Cent Preiserhöhung und ohne eine Minute Mehrarbeit.
Die Stunde geht selten in der eigentlichen Arbeit verloren. Sie geht im Suchen, Übertragen und Doppelt-Erklären verloren: Plan aus der Tabelle in die Nachricht kopieren, Check-in-Fotos aus drei Chats zusammensuchen, dieselbe Frage zum dritten Mal beantworten.
Das ist auch der ehrlichste Maßstab für jedes Werkzeug, das du dir ansiehst, unseres eingeschlossen: Wie viele Minuten pro Kunde und Monat nimmt es dir ab? Bei 20 Kunden sind 15 gesparte Minuten fünf Stunden im Monat. Was die Fitness Coach Suite kostet, steht offen auf der Preisseite; ob sie sich für dich rechnet, ergibt sich aus dieser Rechnung, nicht aus unserer.
Was du nicht tun solltest
- Einstiegspreise für die ersten Kunden. Sie ziehen die Leute an, die bei der ersten Erhöhung gehen und du erhöhst nie, weil es dieselben Menschen sind.
- Preis pro Woche ausweisen. Wirkt kleiner, macht die Abrechnung komplizierter und deine Planung ungenauer.
- Rabatt ohne Gegenleistung. Wenn schon Nachlass, dann gegen etwas: längere Laufzeit, Vorauszahlung, eine Empfehlung.
Und der Satz, der die meisten Verhandlungen beendet, bevor sie anfangen: Du musst deinen Preis nicht rechtfertigen. Du musst ihn nur herleiten können, für dich selbst.
Dieser Artikel gehört zur Fitness Coach Suite, der Coaching-Plattform, mit der Coaches ihre Athleten unter eigener Marke betreuen.
Was die Plattform selbst kostet